Vom Motiv zum Bild

Wäsche flattert auf einer Leine im Sturm, Windräder drehen sich, Schafe und Menschen stemmen sich gegen eine Böe, zerzauste Gräser tanzen im Wind. Müllmänner, Strandspaziergänger, badende Kinder, Familien mit Schlitten, junge Frauen auf dem Weg zum Job. Am Straßenrand parkende Autos, der nächtliche Industriehafen, Jogger am frühen Morgen, ein angelehntes Fahrrad am Fußgängerweg. Motivfolgen bestimmen den Schaffensprozess von Susanne Wind.

Nach dem Studium der Malerei malte sie viele Jahre pleinair – auf Mallorca, in Dänemark und in Norddeutschland. Erst mit ihrer Übersiedelung in die USA, nach Pennsylvania, zog sie ins Atelier. Seit 2003 lebt die gebürtige Hamburgerin wieder in ihrer Heimatstadt und hat ihr Atelier im kreativen Zentrum von Hamburg-Ottensen. Dass die Freilichtmalerei der Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Entwicklung war, ist in ihren Bildern sichtbar: Ihre Motive stammen nach wie vor aus der Welt draußen und sind nicht arrangiert, sondern werden von ihr vorgefunden. Ihr Pinselstrich ist schnell und schwungvoll. Und auch dem Licht, das für alle Pleinair-Maler schon immer eine herausragende Rolle gespielt hat, kommt in ihren Bildern eine wichtige Bedeutung zu. Vor Ort, pleinair, entstehen jedoch weder Gemälde noch Skizzen, sondern Fotografien. Mit ihrer Kamera geht sie auf die Pirsch – oft in den frühen Morgenstunden. Dann hält sie als stille Beobachterin fest, wie das Licht sich seinen Weg durch die Bäume bahnt, Landschaften durchflutet und sich in Autokarosserien spiegelt, wie der Wind die Gräser zerzaust, Löwenzahn und Butterblumen Radwege überwuchern, Bäume in Ampelkreuzungen hineinwachsen, Cafés und Straßen zum Leben erwachen, Menschen den Tag beginnen. Diese Fotografien werden Teil ihres Motiv-Archivs – Inspirationen und später oft Vorlagen für ihre Gemälde.

Im Atelier mischt sie aus Farbpigmenten, Leinöl, Terpentin, Harz und Ei die Farben an und bringt ihre Themen auf die Leinwand. Im fotografierten Motiv bereits angelegt, mit der Malerei – durch Pinselstrich und lichte, lasierende Farben – herausgearbeitet, vermitteln ihre Gemälde dann weit mehr als einen atmosphärischen Eindruck. Sie wecken Gedanken und Gefühle. Sie bewirken ein Innehalten und Gewahrwerden der Schönheit des Lebens. Susanne Wind malt die Kraft der Natur, die alles überwuchert, wo sie kann. Sie malt die Energie des Lichtes, das uns spirituelle Sphären erahnen lässt. Und sie malt die ausgelassene Freude von Kindern, die die ganze Freiheit ihres Seins im Sprung von einer Düne spüren.